Lernen und Gedächtnis

April 12, 2012 | Keine Kommentare

Wir verbringen durchschnittlich rund ein Drittel unseres Lebens schlafend, dennoch bleibt weitgehend ungeklärt, welche Funktion unser Schlaf hat. Weit verbreitet ist die Vorstellung, dass Erlebtes und Gelerntes im Schlaf verarbeitet und abgespeichert wird. Obwohl die ersten systematischen Untersuchungen von Schlaf und Lernen bis ins Jahre 1924 (Jenkins & Dallenbach) zurückreichen, wird dieses Thema noch heute kontrovers diskutiert.

Piosczyk und Mitarbeiter (2009) stellen in einer Überblicksarbeit einen Abriss der bisherigen Forschungsergebnisse dar. Als zentrale Mechanismen der Lernprozesse im Schlaf werden sowohl die Interferenztheorie als auch die Konsolidierungshypothese diskutiert.

Erstere postuliert, dass eine verbesserte Leistung nach einer Schlafepisode auf die während dem Schlaf verminderten störenden Umwelteinflüsse zurückzuführen ist. Die Konsolidierungshypothese geht davon aus, dass während dem Schlaf der Transfer vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis erfolgt. Nebst der Unterscheidung von Kurz- und Langzeitgedächtnis auf der zeitlichen Dimension, differenzieren neuere Studien auch auf der inhaltlichen Ebene die verschiedenen Lerninhalte. In verschiedenen Arbeiten fand man Hinweise dafür, dass bei der Abspeicherung von spezifischen Gedächtnisinhalten unterschiedliche Schlafstadien beteiligt sind. Andere argumentieren, dass die Verarbeitung im Verlauf der Nacht stufenweise über mehrere Schlafstadien erfolgt.

Noch besteht kein Konsens darüber, welche Mechanismen bei Lernprozessen während dem Schlaf beteiligt sind und zu welchen Anteilen die geschilderten Hypothesen die Leistungsverbesserung zu erklären vermögen. Ferner ist noch unbekannt, welche weiteren Faktoren eine Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung spielen. Um den Zusammenhang von Schlaf und Lernprozessen abschliessend zu klären, bedarf es weiterer Untersuchungen. Dennoch spricht eine Vielzahl der Befunde für eine begünstigende Wirkung von Schlaf auf die Gedächtnisleistung.

Nehmen wir doch diese Befunde zum Anlass, uns auch in Phasen erhöhter Anforderungen ausreichend Ruhe und Schlaf zu gönnen!

Alessandra Pepe, lic. phil. Psychologin

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