Schlaf mein Kind, bitte schlaf … endlich ein

Oktober 5, 2012 | 1 Kommentar

Gründe für Ein- und Durchschlafprobleme
Kommt Ihnen das Thema bekannt vor? Eltern können sich für gewöhnlich stundenlang über dieses Thema austauschen. Gründe für Ein- und Durchschlafprobleme sowie Schlaftipps und Schlaftrainings gibt es viele. Ein Allheilmittel leider noch nicht.

Das hängt mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen. Bei Kindern ist dieser erst nach ca. einem halben Jahr etwas stabiler. Ab diesem Zeitpunkt können sie mindestens 6 Stunden am Stück schlafen, da sich ihr Schlaf konsolidiert hat. Und dennoch leiden 10-40% aller Vorschulkinder an Ein- und Durchschlafproblemen. Warum ist das so?

Jedes Kind ist anders
Wir müssen jedes Kind, jeden Fall und jede Situation individuell betrachten. Das heisst wir schauen auf das individuelle Schlafbedürfnis des Kindes (innerhalb 24 Stunden), den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Entwicklungsschritte (Trennungsangst) und dessen Grundbedürfnisse (Durst, Windeln wechseln etc.), allfällige Krankheiten, schlafbezogene Ängste (z.B. Angst vor der Dunkelheit), den familiären Kontext sowie die kulturellen Hintergründe. Nur selten sorgen körperliche Beschwerden für einen schlechten Kinderschlaf.

Einschlafhilfen und ihre Auswirkungen
Am häufigsten sind Ein- und Durchschlafprobleme bei Kleinkindern auf ungünstige Einschlafassoziationen zurückzuführen. Das heisst, das Kind kann nur unter spezifischen Bedingungen einschlafen. Hat sich das Kind daran gewöhnt, mit Hilfe von äusseren Einflüssen einzuschlafen (u.a. in den Armen der Eltern, im Kinderwagen, im Elternbett, beim Stillen oder Schoppen trinken, beim Musik hören oder Schaukeln), so wird es ohne diese Bedingungen nach dem Ins-Bett-Gehen und auch beim Wiedereinschlafen nachts nicht alleine schlafen können.

Kinder sollen alleine schlafen – aber wie?
Um dieses Problem zu verhindern, müssen wir dem Kind das alleine Schlafen, d.h. ohne äussere Hilfen, beibringen. Das kann einige Tage bis Wochen dauern und braucht viel Geduld von Seiten der Eltern. Das Kind benötigt viel Ermutigung. Allabendliche Rituale (z.B. die Reihenfolge baden, vorlesen, ins Bett bringen) kann dem Kind vermitteln, was von ihm erwartet wird. Wichtig ist, das Kind ins Bett zu bringen, wenn es müde, aber noch wach ist. Ist das Kind etwas älter und schläft nicht mehr im Gitterbett, könnte es Ihnen nachlaufen. Bleiben Sie ruhig, aber bestimmt. Bringen Sie das Kind ins Bett zurück, so oft es nötig ist. Lassen Sie nicht zu, dass es “trödelt”. Kleinkinder lassen sich alles Erdenkliche einfallen, um den Ins-Bett-Geh-Prozess in die Länge zu ziehen.

Das Schlafprogramm nach Felber- eine umstrittene Methode
Das wohl bekannteste  Schlaftraining ist die Ferber-Methode, die auf den Schlafmediziner Prof. Richard Ferber aus Bosten zurückgeht: Das Kind wird abends nach einem Einschlafritual wach ins Bett gelegt. Die Eltern verlassen das Zimmer. Weint das Kind, kommen die Eltern nach wenigen Minuten zurück, versuchen es kurz zu beruhigen und verlassen das Zimmer wieder. Die Abstände zwischen den Beruhigungsversuchen (im Bett) werden dabei immer weiter ausgedehnt. Dieses Schlafprogramm wie auch andere, die darauf basieren sind bei den Eltern umstritten. Manche Eltern schwören auf die Methode, weil das Kind bereits nach wenigen Tagen durchschläft. Andere berichten von wahren Dramen mit viel Weinen und Schreien. Es  besteht der Vorwurf, dass das Vertrauen der Kinder durch das lange Schreienlassen gestört werden kann. Wichtig ist das Kind in seinen Schlafbemühungen zu unterstützen und kein Kräftemessen zu veranstalten.

Kinderschlafstörungen kommen ebenso häufig vor wie Schlafstörungen bei Erwachsenen. Sie sollten unbedingt behandelt werden, denn Studien belegen, dass Schlafstörungen bei Kindern sich nachteilig auf deren Entwicklung auswirken.

Dr. med. L. Gonzalez

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1 Kommentar

  • Ammon says:

    Wichtig erscheint mir, dass zum einen die Eltern mit solchen Ein- oder Durchschlafproblemen ihrer Kinder sich überhaupt beraten lassen, um eine Hilfestellung zu bekommen. Denn da ist vieles im Verborgenen wie z.B. ein Schuldbewustsein der Mutter, wenn sie viel arbeitet und daher abends noch alles nachzuholen versucht bis zum ständigen SChlafen im Bett der Mutter.