Schlafen lernen ohne Chemie – Patientenbericht

September 30, 2018 | Keine Kommentare

Jedes Jahr betreut die KSM Bad Zurzach über 30 stationäre Patienten und hilft Ihnen zurück zu gesundem Schlaf zu finden. Dabei leisten die drei  Berufsgruppen Administration, Diagnostik Schlaflabor & Pflege und das Fachteam alles, um den Aufenthalt in der KSM für unsere Patienten möglichst angenehm zu gestalten. Wie stark ein solcher Aufenthalt das Leben eines Patienten verändern kann, erzählt C.S. in ihrem Erfahrungsbericht:

Nach 20 Jahren Stilnox-Abhängigkeit kam ich im März 2017 in die KSM Zurzach zum stationären Aufenthalt. Grosse Hoffnungen hatte ich allerdings nicht mehr, dass mir irgendjemand bei meiner Odyssee aus Schlaflosigkeit und Tablettenabhängigkeit helfen konnte. Ich litt seit Kindheit an unter massiven Schlafstörungen, mal war es das Einschlafen, dann wieder das Durchschlafen. Nichts half, bis ich 1998 während Abschlussprüfungen zum ersten Mal Stilnox nahm. Es half! Leider so gut, dass ich fortan nicht mehr ohne sein konnte. Mit der Einnahme der Tabletten tat ich mir zu Beginn einen grossen Gefallen, mit der Zeit schuf ich mich jedoch zig neue Probleme. Der Konsum war teils moderat, teils exzessiv. Viele Versuche hatte ich bereits unternommen diesem Teufelskreis aus schlimmster Schlaflosigkeit und Tablettensucht zu entkommen, alle jedoch erfolglos. Sei es in somatischen Spitälern, wo ich zwar nicht mit beängstigenden psychischen Erkrankungen von Mitpatienten konfrontiert wurde, das Ärzte- und Pflegefachteam jeweils jedoch machtlos meiner ‚Krankheit‘ gegenüber stand. In psychiatrischen Einrichtungen war ich jedoch mindestens so fehl am Platz, da ich schlicht überfordert war mit der erschreckenden Problematik anderer Patienten (z.B. Suizidversuche)und ich sowas wie traumatisiert wurde dadurch. Also legte ich das Projekt ‚Schlafen lernen ohne Chemie‘ immer wieder auf Eis. Bis der Leidensdruck irgendwann so gross war, da so ziemlich jeder Bereich in meinem Leben völlig aus den Fugen lief und ich mich schliesslich in der KSM anmeldete und bald darauf meinen Aufenthalt antreten konnte.

Schon ganz zu Beginn merkte ich, dass dieser Aufenthalt wohl ganz anders verlaufen würde, als ich erwartete. Ich war, nennen wir es mal, überrascht, dass hier offensichtlich wirklich ein grosses Interesse vorhanden zu sein schien, dass es mir besser geht, dass mir geholfen wurde, dass daran intensiv gearbeitet wurde. Ich wurde sehr ernst genommen, was ich in der Vergangenheit oft vermisste. Auch wurde ich schon zu Beginn ermuntert, mich viel draussen aufzuhalten, schwimmen zu gehen, spazieren, in die Natur zu gehen und mich – Achtung – frei zu bewegen, wie ich wollte, Ausflüge zu unternehmen.

Jeden Morgen nahm das Team um Dr. Acker in meinem Zimmer Platz und ich wurde intensivst über mein Befinden, natürlich nicht nur bezüglich Schlaf, befragt. Manchmal hatte ich das Gefühl ‚gescannt‘ zu werden, bis ich merkte, dass ich hierbei über mich selbst so viel erfahren habe. Ich stellte mir bis anhin keine allzu grossen Fragen, der Fall war klar: ich litt an Schlaflosigkeit, weil es eben einfach so war. Irgendwer von aussen musste mir da helfen. Zugegebenermassen muss ich sagen, dass ich nie gerne Sport getrieben hatte, in Zurzach musste ich aber zum Sport gehen – manchmal mehrmals täglich. Zusätzlich hatte ich jeden Tag einen Termin mit dem Psychologen Herr Strelzof und den hielten wir sinnigerweise draussen auf einem Spaziergang ab.

Was mich ehrlich gesagt sehr überraschte war, dass ich nach diesen Spaziergängen, auf welchen wir viel besprochen haben, die wirklich ans ‚Eingemachte‘ gingen, anschliessend gleich nochmals spazieren war. Ich merkte einfach, wie gut es mir tat, mich zu bewegen, draussen zu sein und meine Gedanken zu ordnen. Die enorme Angst vor meinen schlaflosen Nächten, die damit verbundene Not, das ganze Karrussell in meinem Kopf, liessen langsam ab von mir. Auch nach sehr kurzen Nächten fühlte ich mich gut und konnte mir dies nicht klären. Früher hätte ich mich wieder ins Schneckenhaus zurück gezogen, hätte das Haus nicht verlassen, aber hier dachte ich: Nein, jetzt erst recht.

Ich lernte, auch wenn ich es nicht geglaubt hätte: irgendwann stellt sich der Schlaf ein, zu 100%. Gleichzeitig erlernte ich auch verschiedene Entspannungstechniken, teils asiatischer Herkunft. Gewisse Dinge waren schlicht nichts für mich, andere hingegen sind heute Bestandteil meines Alltags geworden.

Dank dieses Aufenthaltes hat mein Leben eine 180 Grad Wendung genommen, ich hätte mir nie erträumt, je ein Leben ohne Tabletten, ohne chronische Schlaflosigkeit und mit regelmässigem Sport zu leben. In Zurzach stimmte einfach alles: das gesamte Pflegeteam, die Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, sogar die Servicefachangestellten im Restaurant und natürlich die Umgebung und Infrastruktur in Zurzach waren das Beste, was mir passieren konnte.

Herzlichen Dank hierfür!

C.S.

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